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Deutscher E-Mail-Schachclub

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Wertungskommission

14/2009


 

Notation

1. f4 d5 2. b3 Nf6 3. Bb2 g6 4. e3 Bg7 5. Nf3 O-O 6. Be2 c5 7. Ne5 Ne4 8. O-O Nd7 9. d3 Nd6 10. Qc1 d4 11. Nxd7 Bxd7 12. e4 e5 13. fxe5 Bxe5 14. Nd2 Qb6 15. Nf3 Bg7 16. a4 Rae8 17. Qg5 Nf5 18. Bc1 f6 19. Qf4 Qc6 20. exf5 Rxe2 21. fxg6 hxg6 22. Qg3 g5 23. Nd2 Rfe8 24. Nc4 Rxc2 25. Bd2 Re2 26. Rf2 Rxf2 27. Qxf2 Qd5 28. Rf1 Bc6 29. Qe2 Ra2 30. Re1 Qd7 31. Rf1 Bd5 32. Re1 b6 33. Rf1 f5 34. Qe1 f4 35. Rf2 Qe6 36. Qb1 Bxc4 37. bxc4 Rxa4 38. h4 gxh4 39. Bxf4 Ra3 40. Bc1 Ra6 41. Bd2 Qg6 42. Rf3 Be5 43. Be1 Qg4 44. Qb2 Kg7 45. Kf1 Bf6 46. Kg1 Qe6 47. Bd2 Kg6 48. Qb1 Ra3 49. Bc1 Ra5 50. Bd2 Ra6 51. Rf2 Ra3 52. Qb2 Rc3 53. Qb1

Diagramm

Diagramm

Anträge

1) Weiß beantragt Remis

Die Situation auf dem Brett ist die:
Schwarz hat zwei Bauern mehr, quasi die auf a7 und b6. Das ist aber das Einzige, was für Schwarz spricht.
Einmal schränken die schwarzen Bauern den eigenen Läufer in seiner Bewegungsfreiheit ein, und zum anderen ist der schwarze Turm am Damenflügel eingesperrt. Außerdem steht der schwarze König nur von Dame und Läufer begleitet frei im Feld, was diese beiden Figuren entweder an Verteidigungsaufgaben bindet oder Weiß Chancen zum Gegenspiel eröffnet, zumindest wenn es um Dauerschach geht.
Die Strategie von Weiß ist zunächst relativ einfach:
Der Turm verteidigt wahlweise auf f1, f2 oder f3 die Königsstellung.
Der Läufer befindet sich auf der Diagonale c1-h6.
Die Dame verhindert das Ausbrechen des schwarzen Turmes.
Wie in der Abbruchstellung sehr gut erkennbar sind alle Einbruchsfelder auf der e-Linie und der f-Linie abgedeckt. Das Schlagen des schwarzen Turmes erachte ich für ungünstig. Das würde mir zwar eine Qualität einbringen, aber dem schwarzen Läufer das wichtige Feld d4 eröffnen.
Siehe oben, der schwarze Turm spielt sowieso nicht mit, von daher ist in der Stellung der weiße Läufer stärker einzuschätzen.
Als einzige wirklich ernsthaft zu analysierende Option für Schwarz sehe ich also das Vorrücken der schwarzen Bauern am Damenflügel. Der Vorstoß 53...h3 54.gxh3 Dxh3 55.De1 würde direkt ins Remis führen, weil dann alle weißen Figuren den schwarzen König attackieren, der dem Dauerschach nicht mehr entfliehen könnte, z.B. 55...Kg7 56.Tg2+ Kf8 57.De4 Txd3 58.Da8+ Kf7 59.Dxa7+ Le7 60.Tg7+ Kxg7 61.Dxe7+ Kg8 usw. usf....
Zunächst würde nun sicher nach meiner Nichtannahme des schwarzen Qualitätsopfers wieder 53...Ta3 54.Db2 Ta4 55.Db1 folgen.
Dann also 55...a6, worauf Weiß aktiv reagieren muß: 56.Tf4 mit dem Ziel, den Turm auf e4 zentral und unangreifbar zu platzieren. 56...b5 57.Te4 Dd7 58.Dd1 Ta2 (58...bxc4 59.Tg4+ Kf7 60.Te4 und Schwarz muß mit den König zurück nach g6 -Zugwiederholung-, weil sonst 60...cxd3 61.Dh5+ Kf8 62.Lh6+ Lg7 63.Tf4+ und Schwarz verliert...) 59.Tg4+ Kf7 60.Tf4 und nun droht wieder der bereits erwähnte Einbruch der weißen Dame auf h5 mit den bekannten Folgen.
Schwarz muß also jetzt die Qualität opfern, um den Bauernvorstoß am Damenflügel weiter zu realisieren: 60...Txd2 61.Dxd2 (ganz frech gleich 62.Dh5+ könnte man auch mal näher betrachten, sehe ich aber nicht als notwendig an) bxc4 62.De2 cxd3 63.Dh5+ (und damit rückt nun die weiße Dame dem schwarzen König doch noch auf die Pelle) Kg7 (63...Ke7 ist auch nicht besser) 64.Tg4+ Kf8 65.Dxc5+ Kf7 66.Dh5+ Ke7 67.Te4+ Kd6 68.Df3! Le5 69.Df8+ Ke6 70.Dc5 Dd6 71.Dc4+ Kf6 72.Dxd3 usw.
Die Stellung muß jetzt wohl nicht weiter ausanalysiert werden, da hier nun eher Schwarz um das Remis kämpft...
Der Knackpunkt ist also, ob es im Gewinnsinne für Schwarz noch Alternativen zu 60...Txd2 gibt. Ich sehe keine. Auch wenn Schwarz das Turmmanöver ausläßt und sofort z.B. 53...a5 zieht, ändert das am Prinzip des weißen Gegenspiels nichts: Turm auf die 4. Reihe und die Dame über h5 aktivieren.

2) Schwarz beantragt Gewinn

Ich sehe einen Gewinnweg für mich, den ich nun mit ein paar Varianten veranschaulichen werde.
Natürlich kann ich längst nicht alle Varianten durchgehen, ich habe nur die wichtigsten analysiert, dafür ist die Stellung einfach zu kompliziert.
Bis hier die Partie und die aktuelle Stellung nach 53.Db1 .
53...Kg7! verhindert erst einmal nach Lxc3 dxc3 d4... ; Der Turm war ja sowieso freiwillig geopfert um in ein gewonnenes Qualleendspiel abzuwickeln.
54.Lxc3 Wenn nicht jetzt nehmen wann denn sonst? [54.Dd1 Txd3 55.Lh6+ Kxh6 56.Dxd3 Lg5 57.Tf3 Le3+–+ Und der Läufer hat ein herrliches Feld eingenommen, wo er den König verteidigt und auch den Bauernsturm unterstützt.]
54...dxc3 55.Dc1
[55.Kf1 Ld4 56.Tf3 De5 57.Da2 (57.Da1 Kg6–+ ; 57.De1 Dg5 58.De2 a5 59.Ke1 a4–+ ) 57...a5 58.Da4 b5 59.Dc2 Dh2 60.Ke1 h3 61.De2 Dg1+ 62.Tf1 (62.Df1 Dxf1+ 63.Kxf1 c2–+) 62...De3 63.gxh3 c2 64.Dxe3 Lxe3 65.Ke2 c1D 66.Txc1 Lxc1 67.cxb5 Lf4–+]
55...a6 56.Kf1
[56.Df4 De1+ 57.Tf1 De7 58.Dg4+ Lg5 59.Kh1 (59.Dd1 b5 60.Te1 Df6 61.cxb5 axb5 62.Te4 b4–+ Die Bauern sind nicht aufhaltbar.)59...Kh6 60.Dd1 b5 61.cxb5 axb5–+ Und wieder die Bauernwalze.]
56...b5 57.cxb5
[57.Dd1 b4 58.Te2 Dd7 59.Kg1 Ld4+ 60.Kh2 Df5 61.Te4 Lf2–+; 57.Df4 b4 58.Df3 Ld4 59.Db7+ (59.Df8+ Kg6–+ Der Läufer und die Dame decken alle Felder perfekt ab.) 59...Kg6 60.Te2 Df7+–+ Übergang ins gewonnene Qualleendspiel]
57...axb5 58.Df4 b4 59.Te2 Dd5 60.Ke1
[60.Tf2 Dxd3+–+ 61.Ke1 Dd4–+]
60...b3–+
Alles in allem ist zu dem Plan des Schwarzen Folgendes zu sagen.
Weiß wird wohl nicht drumherum kommen das Opfer anzunehmen, doch kommt die Bauernwalze am Damenflügel ins Rollen und mit Unterstützung des herrlichen Läufers sind sie kaum aufzuhalten.
Rückopfer bringen auch nichts, weil immer noch 1 oder 2 Mehrbauern auf dem Brett bleiben.
Natürlich kann auch manchmal die offene Königsstellung von Weiß Vorteile bringen.
Jedoch ist der Hauptplan der Übergang durch Damentausch ins Qualleendspiel, das wohl gewonnen ist, da der Turm an die Bauern gebunden ist und der schwarze König ins gegnerische Lager einmarschieren kann.
Tauscht Weiß nicht die Damen ist der Bauernsturm trotzdem zum Gewinn ausreichend.
Der einzige weiße Trumpf, die offene Königstellung des Schwarzen reicht nicht aus, denn Läufer und Dame überdecken im Team (nahezu) alle möglichen Angriffsfelder.

Ergebnis der Abschätzung

Remis

Begründung:

Bei der Abschätzung wurden die Analysen beider Spieler berücksichtigt.
Es wurden jedoch auch zusätzlich mögliche Abweichungen untersucht.
Die Spieler gehen in ihren Analysen von unterschiedlichen Ansätzen aus.
Weiß zeigt in seinen Analysen, dass er nicht die Absicht hat den Turm auf dem Feld c3 zu schlagen.
Schwarz geht in seiner Hauptvariante davon aus, dass das Qualitätsopfer angenommen wird.
Es wird abgeschätzt, dass die weiße Strategie richtig ist.
Die Initiative von Weiß am Königsflügel führt zu Dauerschach oder Zugwiederholung.
Die beiden schwarzen Mehrbauern am Damenflügel spielen keine Rolle.
Beispielvarianten
53...Kg7 (von Schwarz angegeben)
z.B 54.Qf1 Rb3 55.Rf4 Be8 (Bg5 56.Re4=) 56.Qf3=
54.Qf1 a6 (a5) 55.Rf4 (Re2) =
Es sind nur die wichtigsten Anfänge erwähnt, die ausfühlich untersucht wurden.

Zuletzt geändert am 21.04.2010