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Wertungskommission

01/2018


 

Notation

1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bc4 Bc5 4. c3 Nf6 5. d3 a6 6. O-O d6 7. Bb3 O-O 8. Nbd2 Ba7 9. h3 h6 10. Re1 Be6 11. Nf1 Re8 12. Bc2 d5 13. exd5 Qxd5 14. Ng3 Rad8 15. Bd2 Qd6 16. b4 b5 17. a4 Bb6 18. Qe2 Nd5 19. Nh4 Ndxb4 20. cxb4 Nd4 21. Qd1 Nxc2 22. Qxc2 Bxf2+ 23. Kxf2 Qd4+ 24. Kf1 Qxh4 25. Re3 f5 26. Rf3 e4 27. Nxf5 Bxf5 28. Rxf5 exd3 29. Qb3+ Kh7 30. Rf3 Re2 31. Rd1 c5 32. Qf7 c4 33. Qf5+ Kh8 34. Qg6 Kg8 35. Bc3 Qg5 36. Qxg5 hxg5 37. Rf2 Rde8 38. a5 Kh7 39. Re1 Rxe1+ 40. Bxe1 Kg6 41. Bc3 Re6 42. g3 Re8 43. Kg2 Rh8 44. Rf1 Rd8 45. Rd1 Re8 46. Kf3 Re2 47. Rd2 Re7 48. Rh2 Rf7+ 49. Ke4 Rf1 50. g4 Rc1 51. Bb2 Rb1 52. Ke3

Diagramm

Diagramm

Anträge

1) Weiß beantragt Gewinn mit folgender Analyse:

Zur Begründung:
1. Weiß hat eine Figur mehr.
2. Sein König steht zentralisiert.
3. Die schwarzen Freibauern sind blockiert.
4. Der wichtigste Schwachpunkt des Schwarzen ist der Ba6.
5. Weiß kann zum gegeben Zeitpunkt seine Bauern auf den Königsflügel im Stich lassen, um den sBa6 zu erobern.
6. Schwarz muss dem Turmtausch ausweichen, solange Weiß noch Bauern auf dem Königsflügel hat und die Bauernkonstellation am Damenflügel noch besteht. (Austempieren!)
7. Für beide Parteien ist in vielen Fällen die Eroberung der f-Linie ein strategisches Zwischenziel.
Dazu folgende Varianten:
Hauptvariante 52...Re1+ 53. Kd4 Kf7 (53... Rf1 54. Bc3 Kf7 55. Kc5 g6 (55... Ke6 56. Bxg7) 56. Kb6 Rf6+ 57. Kb7) ( 53... Rb1 54. Rf2 Kh7 55. Bc3 Rc1 56. Rf7 Rc2 57. Rf1 Kg6 58. Rd1 Kf7 59. Ba1 { Nun droht der wK, den Ba6 abzuholen.}) 54. Kd5 Rf1 (54... Rb1 55. Rf2+ Kg6 56.Bc3 Rc1 57. Kd4 Kh7 58. Rf7 {s.o. unter 53. Kd4 Tb1}) 55. Bd4 g6 56. Bc3 Ke7 (56... Rc1 57. Rf2+) 57. Bd2 Kd7 58. Kd4 Rb1 59. Rf2 und nach59...Tb2 60.Ke3 Ke7 61.Lc3 Tb3 62.Kd4 Ke6 63. Tf8 tritt der Vorteil klar zu Tage!
Andere Möglichkeiten - welche aber auch alle zum Verlust führen:
(falls 52... Rg1 53. Rf2 Re1+ (53... Rh1 {siehe unter 52... Td1}) 54. Kd4 {Schwarz verliert den Ba6 ohne ausreichende Kompensation.})
(falls 52... Rd1 53. Rf2 Rh1 54. Kd4 {Auch hier erobert Weiß den Ba6.} Rxh3 55. Bc3 Rg3 56. Kc5 Rxg4 57. Kb6 Rg1 58. Kxa6 Rc1 59. Bb2 Rc2 (59... Rb1 60. Bd4 Rxb4 61. Kb6) 60. Rxc2 dxc2 61. Kxb5 {und Weiß zieht zuerst ein.})
(falls 52... Rf1 53. Kd4 Kf7 (53... Rb1 {s.u. unter 53. Kd4 Tb1}) 54.Kd5 g6 55. Bc3 Ke7 56. Bd2 Kd7 (56... Rb1 57. Rf2 Ke8) 57. Kd4 Rb1 58. Rf2 Rb2 59. Ke3 Ke7 60. Bc3 Rb3 61. Kd4 Ke6 und 62.Tf8 gewinnt)
(falls 52... Kf7 53. Rf2+ Ke8 (53... Kg6 54.Bc3 Rc1 55. Kd4 Kh7 56. Rf7 Rc2 57. Rf1 Kg6 58. Rd1 Kf7 59. Ba1) 54. Bxg7 Rxb4 55. Bf6 Rb1 (55... Ra4 56. Bxg5 Ra1 57. h4) (55... Rb3 56. Bxg5 d2+ 57. Kxd2 Rxh3 58. Rf6) 56. Bxg5 Rh1 57. h4)
(falls 52... Kh6 53. Rf2 Kh7 54. Bc3 Rc1 55. Kd4 Kg8 56. Rf5 Kh7 57. Re5 Rc2 58. Re1)
Fast überall sind noch weitere kleinere Abweichungen möglich - welche aber auch nichts verbessern.
Mein Plan sollte aber klar erkennbar sein und in jedem Fall zum Gewinn führen .

2) Schwarz beantragt Remis mit folgender Analyse:

Begründung:
1) Stellungseinschätzung
Weiß hat eine Mehrfigur für zwei (Frei)-Bauern. Der weiße Vorteil ist ersichtlich. Gleichwohl fällt es für Weiß schwer, einen vernünftigen Gewinnplan zu finden. So fällt etwa auf – nicht ohne Grund – dass in den letzten 10 Zügen der Partie nicht viel passiert ist.
2) Pläne
Schwarz wird in der vorliegenden Stellung zunächst gar nichts tun und „die Füße stillhalten“. Es ist an Weiß, einen Gewinnplan zu finden. Wir können uns also fragen, wie soll Weiß diese Stellung gewinnen? Die einzige ersichtliche Schwäche von Schwarz ist der Bauer auf a6. Es bieten sich also zwei Gewinnpläne an:
2a) Königswanderung nach b6 nebst Abholen des a6 und der weiße Freibauern auf a5 macht das Rennen. Derweil verteidigen der weiße Turm und der weiße Läufer evtl. Durchbrüche der schwarzen Freibauern
2b) Turmwanderung (etwa über f2-f8-a8 oder anders) nebst Abholen des a6 und der weiße Freibauern auf a5 macht das Rennen. Derweil verteidigen der weiße König und der weiße Läufer evtl. Durchbrüche der schwarzen Freibauern. Die schwarze Verteidigungsidee ist in beiden Fällen ähnlich: sobald sich der König (Plan 2a) oder der Turm (Plan 2b) in Bewegung setzt und seine Verteidigungsarbeiten vernachlässigt, wird der Bauernsturm der Bauern c4 und d3 umgesetzt. Setzt Weiß das Lavieren fort (so wie in der Partie die letzten 10-12 Züge), so wird auch Schwarz nichts tun bzw. entsprechend sinnhaft reagieren. Andere mögliche weiße Gewinnpläne überzeugen nicht, werden daher hier auch nicht analysiert: ein Auflösen des Königsflügels (etwa mit h4) macht wenig Sinn und spielt eher Schwarz in die Hände. Erstens sind dann weniger weiße Bauern für evtl. Gewinnversuche vorhanden. Zweitens sind die schwarzen Bauern g7 und g5 ohnehin latent schwach, ein Abtausch ist also wenig zielführend. Drittens hätte Weiß diesen Plan schon längst verwirklichen können (etwa durch 50. h4 anstelle von 50. g4). Auch ein Spielen auf den schwachen Bauern auf g5 (etwa Turm nach f5 stellen, Läufer auf die Diagonale c1-h6) scheidet aus, da in diesem Fall das schwarze Gegenspiel schneller ist, wovon man sich leicht überzeugen kann.
3) Varianten
Der schwarze Verteidigungsplan besteht zunächst in Abwarten, d.h. es kommen mehrere Züge in Frage.
Schwarz spielt beispielsweise I. 52… Kf7. Kandidatenzüge danach sind 53. Kd4 und 53. Lc3. Oder Schwarz spielt alternativ II. 52…Te1+. Kandidatenzüge danach ist eigentlich nur 53. Kd4
I. Direkte Verwirklichung Plan 2b: 53. Kd4 Kg6 54. Tf2 Kh7 55. Lc3 Tc1 56. Ld2 Tc2 57. Ke3 Kg6 58. Tf8 c3 59. Lxc3 Txc3 60. Kd2 Tb3 (auch Ta3 macht remis) 61. Ta8 Kf6 62. Txa6+ Ke5 63. Ke3 d2+ 64. Kxd2 Kd4 (auch Txb4 macht remis) 65. Tg6 Txh3 66. Txg7 Th2+ 67. Kd1 Kd3 68. Td7+ Kc3 69. a6 Th1+ 70. Ke2 Kxb4 71. a7 Ta1 =
Man sieht, sobald sich der Turm in Bewegung Richtung a6 setzt, schafft Schwarz den Bauerndurchbruch und es entsteht ein Turmendspiel, was Schwarz auf diverse Weise remis halten kann. Die Frage ist nun, hat Weiß das optimal gespielt? Gibt es ein besseres Setup für L+K, bevor der Turm in die schwarze Stellung eindringt als Ke3+Ld2. Versuchen wir es mit Lc3 und Kd4:
Also z.B. 56. Tf8 anstelle von Ld2. Es folgt 56…Tc2 (einziger Zug).Also z.B. 56. Tf8 anstelle von Ld2. Es folgt 56…Tc2 (einziger Zug). Nun hat Weiß nur 57. Tf1, weil 57. Ta8 durch 57…d2 mit sofortigem Remis beantwortet wird.
Fazit: es ist nicht zu erkennen, dass Plan 2b) zum Gewinn führt.
Kritischer ist Plan 2a), also bspw. 53. Lc3. Hier muss Schwarz genauer spielen. Die Variante: 53… Kg6 54. Kd4 Tc1 55. Lb2 Tf1 56. Kc5 Tb1 57. Ld4 Tf1 58. Kb6 Tf6+ 59. Kb7 funktioniert z.B. nicht, die Stellung ist für Weiß gewonnen.
Diese Variante verdeutlicht relativ eindrucksvoll den weißen Gewinnplan 2a). Der Turm auf der zweiten Reise verteidigt wirkungsvoller die Bauern als der König bei o.a. Plan 2b). Schwarz kann sich genauer verteidigen, z.B.: 53. Lc3 Kg6 54. Kd4 Tc1 55. Lb2 Tb1 (wichtige Ressource: Schwarz greift permanent den Läufer an!) 56. Tf2 (Abwartezug) Kh7 57. Lc3 Tc1
Weiß kommt nicht weiter. Eine direkte Königswanderung Richtung a6 scheidet aus, weil der Läufer hängt. Will Weiß den Läufer decken, geht’s auch nicht voran, z.B. 58. Ld2 Tc2 nebst c3 falls der König vorwärts geht. Und auch nach 58. Lb2 Tb1 (Stellungswiderholung) kann der König nicht vorwärts gehen, weil etwa 59. Kc5 an 59…Txb2 scheitert.
Zur Illustration, dass 52…Kf7 keineswegs der einzige Zug ist – Abwartezüge gibt es ja viele in der Stellung – kurz Verteidigungsplan II:
52…Te1+ 53. Kd4 Td1 54. Tf2 Kh7 57. Lc3 Tc1 58. Tf8 Tc2 und Weiß muss mit dem Turm wieder zurück.
4) Schlussbemerkung
Obwohl chancenreich und durchaus schwer zu verteidigen für Schwarz ist kein klarer, eindeutiger Gewinn für Weiß zu finden. Die DESC-Abschätzungsrichtlinie sagt: „Grundsätzlich geht der Abschätzer erst einmal davon aus, das die abzuschätzende Partie Remis ist - bis die eingereichten Analysen und die Abschätzung das Gegenteil beweisen.“ Ich meine, das Gegenteil ist durch die eingereichten Analysen nicht bewiesen.

Ergebnis der Abschätzung

Die Partie ist mit Remis zu werten.

Begründung:

Ja, was mache ich mit dieser Partie. Ich habe mehrere Varianten, die auch hier vorgeschlagen wurden, durchgespielt, bis etwa 70. Zug. Ich komme zu dem gleichen Ergebnis wie Schwarz. Es werde viele Züge gemacht, aber ein richtiges vorwärts kommen passiert nicht. Das Spiel plätschert so dahin. Weiß kann seinen Vorteil, den er unbedingt hat, nicht ausbauen. Wie Schwarz auch angegeben hat, die ca. 15 Züge vor dem 52. Zug hat nichts gebracht. Weiß muss angreifen, kann es aber direkt nicht, da Schwarz sehr gut darauf reagieren kann.
Mein Fazit: Weiß steht besser wird aber kein Gewinnplan finden. Schwarz kann nicht gewinnen, aber ein Remis wird er halten können.
Ergebnis : 0.5 - 0.5

Zuletzt geändert am 12.06.2018